Professor Barry Brook über Nutztierhaltung und Klimawandel   
 
Professor Barry Brook über Nutztierhaltung und Klimawandel  
Hallo, erdfreundliche Zuschauer! In unserer heutigen Sendung erörtert Professor Barry Brook von der Universität Adelaide, Australien, den Einfluss der Viehwirtschaft auf die Umwelt. Professor Brook ist ein international führender Forscher auf dem Gebiet der globalen Ökologie und der Naturschutzbiologie. Er hat den Vorsitz der Hubert-Wilkins-Stiftung für Klimawandel, ist Direktor des Forschungsinstitutes für Klimawandel und Umweltverträglichkeit der Universität Adelaide.
Er hat zwei Bücher und über 100 wissenschaftliche Veröffentlichungen über die unterschiedlichen Aspekte der Auswirkungen herausgegeben, die menschliches Verhalten auf Natur und Artenvielfalt hat. Er wurde mit der Science-Fenner-Medaille der australischen Akademie, der Edgeworth-David-Medaille der Royal Society of New South Wales und der H.-G.-Andrewartha-Medaille der Royal Society of South Australia ausgezeichnet.
Professor Brook wurde von Cosmos als einer der jungen australischen Top-Ten-Wissenschaftler angeführt. Professor Brook betont die Notwendigkeit, Methan als ein Haupt-Treibhausgas anzuerkennen.

Prof. Barry Brook: Methan ist ein interessantes Treibhausgas; viele Leute haben vielleicht noch nicht davon gehört, es ist jedoch das zweitstärkste Treibhausgas in Bezug auf den Gesamtbeitrag des Menschen zum Klimawandel.
Jeder hat wahrscheinlich von CO2 gehört. Methan ist ein weiteres Treibhausgas, das große Auswirkungen hat. Und es hat ganz besonders wichtige Auswirkungen über kurze Zeiträume. Methan wird hauptsächlich von Wiederkäuern erzeugt und es wird auch von fossilen Brennstofflagern, – wie Kohlebergwerke und Gasfelder – freigesetzt. Die Feuer, die wir bei den Erdölquellen sehen, sind z. B. Methangase, die abgefackelt werden. Das Methan ist also eigentlich ein natürliches Gas, das wir verbrennen, um Wasser oder Ähnliches zu erhitzen.

Ich habe in letzter Zeit mit ein paar Kollegen zusammengearbeitet und aufgezeigt, dass Australiens Beitrag zur der globalen Erwärmung tatsächlich – zumindest auf kurze Sicht – mehr mit Methan als mit irgendetwas anderem zu tun hat.
Und darüber hinaus hat er noch mehr mit der Erzeugung von Methan durch Wiederkäuer – Rinder, Schafe und Ziegen zum Beispiel – zu tun. Als Teil ihres natürlichen Verdauungsprozesses produzieren sie Methan, sie käuen wieder; sie haben einen zweiten Magen und in diesem Magen gibt es Bakterien, die die Zellulose im Gras aufschlüsseln und Energie freisetzen. Dieser Vorgang ist als anaerober Prozess bekannt. Durch die Abwesenheit des Sauerstoffes bewirkt dieser Prozess also die Freisetzung des Methans; besonders durch Rülpsen. Da es solch ein starkes Treibhausgas ist, hat es überproportionale Auswirkungen auf den Klimawandel. Aber die größten Auswirkungen beziehen sich auf einen ziemlich kurzen Zeitraum von zehn oder zwanzig Jahren; dann ist fast alles Methan verschwunden. Wenn man sich aber diesen Zeitraum anschaut, dann sieht man, dass jede freigesetzte Tonne Methan 72 Tonnen freigesetztem Kohlendioxid entspricht. Es haut also ziemlich rein.
Um das in einen Zusammenhang zu bringen: Die australische Viehwirtschaft – Rinder und Schafe – setzt jährlich gegenwärtig so ungefähr 3 Mio. Tonnen Methan frei. Wohingegen unsere Kohlenkraftanlagen ungefähr 180 Mio. Tonnen CO2 freisetzen.
Es klingt also, als ob Kohlekraftwerke viel mehr zur globalen Erwärmung beitragen als unser Vieh. Aber wenn man bedenkt, dass Methan über einen Zeitraum von 20 Jahren 72 mal stärker zuschlägt als CO2, dann multipliziert man über die nächsten zwei Jahrzehnte die Zahl 3 mit 72. Es lässt sich ziemlich leicht errechnen, dass unsere Rinder- und Schafindustrie in diesem Zeitraum tatsächlich mehr zur globalen Erwärmung beiträgt als Kohlenkraftwerke. Diese Tatsache wird weitgehend unterschätzt in Australien.

Supreme Master TV: Denken Sie, dass dem Methan zu wenig Beachtung geschenkt wird in den neuesten Vorlagen für die Regierung?

Prof. Barry Brook: Ja, ich denke, das ist ziemlich offensichtlich. Wenn man sich die unterschiedlichen Treibhausgase anschaut, erkennt man ihren unterschiedlichen Beitrag an der globalen Erwärmung. Wir brauchen also eine Standardisierungsmethode. Die grundlegende Methode, die der Weltklimarat (IPCC) anwendet, ist die Berechnung eines Durchschnittwertes über einen Zeitraum von 100 Jahren.
Aber für das Methan ist das eigentlich etwas sinnlos, denn es ist nach 20 Jahren tatsächlich fast ganz verschwunden. Man nimmt also den kurzfristigen Eintrag und verteilt ihn über 100 Jahre, um ihn kleiner zu machen als er eigentlich wäre.
Die Berichte deuten also an, dass Methan etwa 25 Mal stärker ist als die Wirkung von CO2. Wenn es aber in der Atmosphäre ist und dort arbeitet, dann hat es eine 72-fach stärkere Wirkung und das ist ein großer Unterschied.
Ich denke, es wird ihm zu wenig Bedeutung beigemessen in diesen Berichten – aufgrund dieser Berechnungsprobleme und vielleicht auch, weil es ein Problem ist, dem sich viele Menschen nicht stellen wollen. Wenn wir unsere Emissionen ernsthaft reduzieren wollen, müssen wir die landwirtschaftlichen Emissionen einbeziehen und wir müssen – das ist am wichtigsten – auch Australiens größten Beitrag über einen kurzen Zeitraum mit berücksichtigen.

Supreme Master TV: Wenn wir also einen Einfluss auf die Viehwirtschaft hätten – sie allmählich abschaffen würden – gäbe uns das Zeit für die CO2-Technologien?

Prof. Barry Brook: Ja, denn Methan hat einen sehr starken Effekt, aber ironischerweise einen kurzfristigen Effekt; man kann sehr schnell etwas tun, verglichen mit dem CO2. Obwohl es jetzt also wirklich sehr bedeutend ist, ist es etwas, das wir wirklich sehr schnell aus unseren Emissionen entfernen können.
Aus Gründen, die mit dem Klimawandel nichts zu tun haben, ging die Schafpopulation Australiens seit 1992 von etwa 190 Mio. auf weniger als 100 Mio. zurück. Das hatte einen großen Einfluss auf den Methanausstoß Australiens. Das gibt Ihnen ein Beispiel, wie schnell wir diesen Wandel vollziehen können. Wir haben im Grunde die Emissionen halbiert, die von den australischen Schafen produziert werden.
Es gibt keinen Grund, warum man das mit Rindern nicht auch tun kann. Wohingegen der Infrastrukturwandel der Gesellschaft – z. B. von Kohlekraftwerken hin zu alternativen Energieformen, der sehr schnell geschehen sollte – einen großen Wandel in der grundlegenden Infrastruktur erfordert – etwas, was ich als wirtschaftlich unlösbarer betrachte. Wohingegen die Verminderung des Viehbestands in Australien etwas ist, das sehr schnell durchgeführt wäre und große Auswirkungen auf unseren Beitrag zur Erderwärmung hätte.

Supreme Master TV: Ich möchte mit Ihnen den Review besprechen, den Sie zusammen mit Geoff Russell erstellt haben. Er heißt „Der CO2-,Huf‘-Abdruck des Fleisches“. Können Sie uns davon erzählen?

Prof. Barry Brook: Ja, das war eine Studie, bei der wir den relativen Einfluss des Rindfleischverzehrs auf den CO2-Ausstoß mit anderen Aktivitäten vergleichen, bei denen die meisten Menschen wahrscheinlich einen wesentlich größeren Einfluss auf die globale Erwärmung vermuten. Unser Beispiel war: Sagen wir, Sie haben einen großes Auto mit Vierradantrieb – einen Ford Territory. Es kostet ungefähr 17 Tonnen CO2-Emissionen, das Ding zu bauen. Wenn es dann jede Woche gefahren wird, könnten ungefähr 200 g CO2 pro gefahrenem Kilometer entstehen. Man kann die Rechnung auf dieser Grundlage erstellen. Es könnten pro Woche 60 kg CO2 verbraucht werden, um mit diesem grobschlächtigen Ford Territory herumzufahren, zuzüglich zu den Emissionen, die in seine Herstellung gingen.
Wenn Sie so essen, wie es die CSIRO empfiehlt, die „Total Wellbeing Diet“, und zwar einen wöchentlichen Durchschnitt von Rindfleisch, der zwischen 3 und 5 kg liegt, dann werden Sie sehen, wenn Sie dafür das Methan berechnen – selbst wenn der Standard verwendet wird, bei dem man davon ausgeht, dass es 25 Mal potenter als CO2 ist – und erinnern Sie sich daran, was ich zuvor sagte, dass es in Wirklichkeit etwa 72 Mal so potent ist – selbst, wenn man also sagt, es ist nur 25 Mal so potent, dann würden ca. 200 kg pro Woche dadurch freigesetzt, verglichen mit 60 kg von einem Ford Territory.
Sie brauchen also nur ca. 5 Jahre lang das ganze Fleisch in Ihrer Ernährung weglassen, und dann haben Sie für die Emissionen dieses großartigen Allradantrieb-Fahrzeugs bezahlt. Das als Beispiel.
Eine andere Sichtweise ist, die Menge der Emissionen zu betrachten, die von 1 kg Steak verursacht werden. Das ist so emissionsintensiv bezüglich des Methans, dass es 4 Mal so viele Emissionen verursacht wie bei der Produktion von 1 kg Aluminium entstehen – was als ungeheuer energieintensiv angesehen wird, und wobei viel Elektrizität verwendet wird, um dieses Aluminium durch Elektrolyse zu produzieren.
Rindfleisch verbraucht also 4 Mal so viel wie 1 kg Aluminium und Rindfleisch ist ein viel größerer Methan-Verursacher als das Fahren eines Allradfahrzeugs. Dies sind Fakten, die überhaupt nicht genug beachtet werden. Es bedeutet also, dass man klimabewusst in Bezug auf seine Ernährung sein muss, weil einige Faktoren in unserem Lebensstil einen viel größeren Einfluss auf die globale Erwärmung haben als andere, und die Leute verstehen nicht wirklich, welche das sind.

Supreme Master TV: In Bezug auf das Wasser, das zur Fleischproduktion verwendet wird: Es wird viel Wasser dazu verwendet. Können Sie uns etwas darüber sagen?

Prof. Barry Brook: Ja, in der Tat, es ist eine Menge Wasser, die zur Produktion von 1 kg Rindfleisch benötigt wird, und eine Menge Wasser wird auch zur Produktion von Milchprodukten verbraucht. Milchproduktion in Australien findet häufig in Gebieten statt, die eigentlich nicht für die Milchproduktion geeignet wären, wenn es keine bewässerte Landwirtschaft gäbe.
Also das Wasser wird aus dem Murray gepumpt und über riesige Weideflächen gesprüht, damit es ausreichend grüne Weideflächen für die Milcherzeugung gibt. Aber das ist dasselbe Wasser, das so knapp in Adeleide ist, wodurch z.B. der Cooring stirbt, weil es nicht genügend Wasserzufluss gibt.
Dieses Wasser wird auf die grünen Felder von West-Victoria gesprüht, um Milch zu produzieren. Das ist überhaupt keine vernünftige Verwendung von Wasser.
Ich denke also, dass die Leute sich die Gesamtwirkung der Viehhaltung ansehen müssen, um wirklich zu schätzen, warum dies global Schaden anrichten kann.
In der Tat, wenn man in die Ferne schaut, – von Australien in die Tropen – sieht man, dass ein Hauptfaktor für die Entwaldung der Tropen – der selbst für ca. 20 %, also ein Fünftel aller menschenverursachten CO2 Emissionen verantwortlich ist – die Entwaldung des Regenwalds zum Anlegen von Viehweiden ist.
Das ist also wieder eine Ursache der Entwaldung, die direkt CO2 Emissionen verursacht, indem Bäume abgeholzt oder meistens verbrannt werden – und wenn dann die Kühe da sind, erzeugen sie wiederum viel mehr Methan. Es gibt also keinen Zweifel daran, dass Viehhaltung einen langen Schatten hat, und das war ja auch der Titel des Berichts, den die UN letztes Jahr veröffentlicht haben, indem sie die gesamte Auswirkung der Viehhaltung auf Methan bewerteten. Das ist sehr tiefgehend und umfassend.

Supreme Master TV: Glauben Sie, unsere Regierung sollte mehr tun in Bezug darauf, die Menschen wissen zu lassen, wie sie als Individuen helfen können, um unsere planetare Krise zu bewältigen?

Prof. Barry Brook: Ich denke, wenn man die Landwirtschaft außer Acht lässt, gibt dies das falsche Signal, da ein Sektor der Gesellschaft außer Acht gelassen wird, bei dem man Einsparungen der Treibhausgasemissionen machen könnte.
Und in der Tat müssen alle Bereiche der Gesellschaft dazu beitragen, man schiebt die Last also auf andere Bereiche. Und der Anteil, den die Viehzucht an der Umweltverschmutzung in Australien hat, wird nicht richtig anerkannt.
Die Leute reden oft darüber, dass Klimawandel eine Langzeitwirkung hat, und was er am Ende des Jahrhunderts anrichten wird. Und doch beobachten wir solche Auswirkungen wie den Schwund des Meereises in der Arktis im Sommer, die Ausdehnung der tropischen Wettersysteme, sehr intensive Dürren in Afrika südlich der Sahara und in Australien.
Solche Auswirkungen, die wir für die Zeit in 20, 30, 50, 100 Jahren vorausgesagt haben, treten schon jetzt auf. Und es gibt auch ein großes Risiko, dass wir das überschreiten, was im US-System als Umkipppunkte bekannt ist, dass es einen nicht mehr umkehrbaren Klimawandel gibt oder zumindest Klimawandel, der durch Änderungen am System der Erde stark beschleunigt wird. Wir sind jetzt an einem entscheidenden Umkipppunkt für die Umwelt. Es ist nun Zeit zu handeln. Es ist dringend.

Wir danken Prof. Brook für seine bedeutende Forschung und Arbeit, die dazu beitragen will, das Ökosystem des Planeten zu retten.

Fürsorgliche Zuschauer, es war uns ein Vergnügen, Sie bei uns zu haben heute bei „Planet Erde: unser liebevolles Zuhause“. Unsere Sendung kommt jeden Mittwoch auf Supreme Master Television. Und nun bleiben Sie dran für „Erleuchtende Unterhaltung“, gleich nach „Bemerkenswerte Nachrichten“. Wir wünschen Ihnen ein gesegnete Leben, erfüllt von göttlicher Liebe und innerem Frieden.
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